Luigi Nono
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La lontananza nostalgica utopica futura |
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Best Nr.: |
EWR 0102 |
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Tonträger: |
CD |
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Komponist: |
Luigi Nono |
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Interpreten: |
Clemens Merkel, Violine; Wolfgang Heiniger (Klangregie) |
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"La lontananza nostalgica utopica
futura. Madrigale per più 'caminantes' con Gidon
Kremer" für Violine und achtspuriges Tonband
(1988/89), erstmals am 3. September 1988 in Berlin durch Gidon Kremer aufgeführt,
ist eine der letzten ausgedehnten Kompositionen Luigi Nonos. |
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Dominiert von lang
auszuhaltenden, differenziert ausgearbeiteten und meist im Pianobereich
lokalisierten Klängen, die durch flirrende Flageolettpassagen oder
gelegentliche eruptive Ausbrüche gestört werden, vermittelt der
pausendurchsetzte Notentext von "La lontananza nostalgica utopica
futura" jenes klangliche Erscheinungsbild, das für Nonos Komponieren
seit dem Streichquartett "Fragmente - Stille, An Diotima" (1979/80)
charakteristisch ist. |
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Die acht Spuren
des Zuspielbands sind aus zahlreichen - teilweise elektronisch bearbeiteten -
Klangbruchstücken zusammengesetzt, die Nono während einer mehrtägigen
Studiositzung mit Gidon Kremer aufgezeichnet hat. Sie dokumentieren
einerseits - etwa in Gesprächsfetzen - das Stadium der experimentellen
Studioarbeit, thematisieren daher also unmittelbar den Arbeitsprozeß, spielen
andererseits aber in Form musikalischer Zitate oder zitatähnlicher
violintechnischer Topoi auf historische Elemente an. |
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Das Tonband bildet
ein mehrstimmiges Klanggeflecht, in das sich der Geiger als Interpret der
sechs live vorzutragenden Notentext-Abschnitte einfügen muß. Nono betont ausdrücklich,
daß es sich hierbei nicht um ein "Konzert" für Solo und Begleitung,
sondern um ein Zusammenwirken gleichberechtigter Stimmen handelt, wie es der
Untertitel der Kompositionen ("für mehrere 'Wanderer' mit Gidon
Kremer") andeutet. |
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Dabei kommt es zu
einer ständigen Wechselwirkung zwischen Klangregie und Solospieler: die
Klangregie reagiert auf den Vortrag des Geigers, indem sie Material aus dem
Fundus des Tonbandes auswählt und diese Auswahl über die Lautsprecher
reguliert; ebenso kann der Violinist die Pausen und die Phasen zwischen den
sechs Abschnitten je nach Art des gerade erklingenden Bandmaterials
interpretieren. Auf diese Weise wird während der Aufführung eine lebendige
Beziehung zwischen den verschiedenen Komponenten des Werkes hergestellt. |
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Nonos Komposition
kann daher durchaus als metaphorische Darstellung des menschlichen Lebens
angesehen werden: Das Material des Zuspielbandes steht dann für jenen Anteil
von Geschichte, dem sich der Mensch - verkörpert durch den Geiger - im
Verlauf seiner Lebenszeit stellen, den er neu entdecken und in sein Denken
und Handeln sinnvoll einbeziehen muß, während er seinen verschlungenen Weg
sucht - ein Prozeß, den die titelgebende
"nostalgisch-utopisch-zukünftige Ferne" poetisierend zusammenfaßt. |
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Nono bezieht sich
hier auf jene Vorstellung des ziellosen Umherstreifens ohne Weg, die er -
basierend auf einem Spruch, den er während einer Spanienreise auf einer
Klostermauer in Toledo entdeckte - in den achtziger Jahren zum Motto seines
Komponierens ebenso wie zur Metapher für sein Selbstverständnis als Künstler
gemacht hat: "Caminante no hay caminos hay que caminar"
("Wanderer, es gibt keine Wege, es gibt nur das Gehen").
Komponieren wird nach dieser Auffassung zu einem immer wieder neuen Aufbruch
in die unbekannte Weite existierender Möglichkeiten - und damit nicht zuletzt
zu einer ständigen Erkundung musikalischer Grenzbereiche. |
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Stefan Drees |
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