Jürg Frey


 

Klaviermusik 1978 - 2001

 

 

 

 

Best Nr.:          

EWR 0201

 

Tonträger:

CD

 

Komponist:

Jürg Frey

 

Interpreten:

John McAlpine, Klavier

 

 

 

 

 

 

 

"Wenn ich das leere Blatt vor mir habe, steht zwar nichts darauf, aber es sind natürlich schon sehr viel Sachen darauf, die ich auf dieses Blatt projiziere: Musiken, die ich geschrieben habe, oder Stücke, die es schon gibt. Ich betrachte also dieses Blatt nicht als leer. Im Gegenteil: Ein Teil meiner Arbeit ist es, dieses Blatt überhaupt einmal leer zu bekommen, alles, was schon drauf ist, bevor ich den ersten Ton geschrieben habe, davon wegzunehmen, es verschwinden zu lassen und dann in einem Arbeitsprozess das auf das Blatt kommen zu lassen, was vielleicht meine Musik ist."

 

 

 

"Ein Weg, den ich oft einschlage, ist das Warten. Mit so etwas wie einer Tonfolge beginnen die meisten Leute ja erst richtig zu arbeiten. Ich höre dort zu arbeiten auf. Nicht, dass ich gar nichts mehr mache; manchmal braucht es etwas mehr und manchmal etwas weniger. Es gibt so viele Gefahren, dass man diese Tonfolge zerstört, weil man denkt, man müsse sie ein bisschen mit Komposition anreichern."

 

 

 

"Manchmal denkt man, und ich weiß das aus Reaktionen auf meine Stücke, dass ein neues Element im genau richtigen Moment aufgetaucht ist. - Wenn ich arbeite, sehe ich, wie lang die Teile werden, dass das sieben, fünf und dann wieder sieben Minuten sind. Das sind dann eher persönliche Erfahrungen von Zeitdauern, die sich hier niederschlagen, nicht Überlegungen zu einem guten Timing. Wichtiger ist der Zusammenhang zwischen dem Material und der Zeit. Es gibt Material, das nur eine gewisse Zeit dauern kann. Dann läuft es sich irgendwie tot. Bei den Klängen, die ich verwende, bewirkt die Qualität des Materials, dass eine ziemlich große Gelassenheit entstehen kann - bezüglich dieser Frage, wie lang ein Teil sein kann oder wann etwas Neues kommen muss. Und darum beschäftigt mich auch die Frage nach dem Material.

 

 

 

Wenn ich nicht das richtige Material habe, stellt sich diese Gelassenheit nicht ein, und es entsteht der Eindruck, etwas sei zu lang. Dann gibt es ja zwei Möglichkeiten: Entweder man kürzt, oder man ändert das Material, um diese Gelassenheit in Bezug auf die Dauern wieder zu erreichen. Auf diese Art und Weise denke ich über diese Frage nach. Es geht nicht darum, die Dauern zu disponieren, sondern das Material, seine Qualität auszuhören. Manchmal ist es fast eine Nullqualität - eine Gratwanderung zwischen Nullqualität und banaler Qualität. Ich mag diese Nullqualität, wenn sie gleichzeitig das Banale vermeidet."

 

 

 

Jürg Frey