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for seven players |
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Best Nr.: |
EWR 0604 |
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Tonträger: |
CD |
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Komponist: |
John Cage, Burkhard
Schlothauer |
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Interpret: |
Ulrich Krieger (Klarinette), Normisa Pereira da
Silva (Altflöte), Burkhard Schlothauer (Violin), Julia Eckhardt (Viola),
Marcus Kaiser (Violoncello), Guy Vandromme (Klavier), Tobias Liebezeit (Schlaginstrumente) |
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Seven (1988),
15 similar events (2002) Nehmen wir an, Kunstmusik stünde als Territorium
schöpferischer kognitiver Aktivität mit dem wissenschaftlichen Paradigma in
wechselseitiger Beziehung und würde demzufolge in ihrer Organisation ein Bild
der jeweils zeitgenössischen Weltsicht zumindest teilweise repräsentieren,
dann würden aus den wesentlichen paradigmatischen Eckpunkten des angehenden
21.Jahrhunderts vielerlei neue Anforderungen für die Musik ergehen. So wären
z.B. angesichts verlorener Gewissheiten Wahrscheinlichkeiten zu thematisieren
und Möglichkeitsfelder zu konzipieren, unhierarchisch organisierte komplexe
Systeme könnten durch offene Regelwerke und das Spiel von autonomen
Individuen mit sich bedingenden und unbedingten Entscheidungen simuliert und
erfahren werden. Der kleine Künstlerkosmos des
Ich-bespiegelnden Subjekts, im 19.Jahrhundert Begleiterscheinung des Aufklärungsprogramms,
würde der gemeinsamen Begegnung mit der Sinn- und Zwecklosigkeit der
Kontingenz zu weichen haben. Von beiden Stücken auf dieser CD - so
verschieden sie sind - könnte man sagen, dass sie Versuchsanordnungen im
Sinne der vorhergehenden programmatischen Setzung darstellen. Beide Stücke
auf dieser CD gewinnen ihre Binnen- und Makrostruktur aus der Rasterung von
klanglichen Möglichkeitsfeldern in konsequent gleich dimensionierten
Zeitfenstern. Seven weist pro
Instrumentenstimme 19 (sich um 15 Sekunden überlappende) Fenster von 75
Sekunden und eines (nicht überlappend) von 45 Sekunden Länge auf. Die in der
Tonqualität weitgehend exakt notierten Klänge sind innerhalb dieses Fensters
in der vorgegebenen Reihenfolge - genauer definiert durch Zeitklammer (time
brackets) für Beginn und Ende - zu spielen; durch ihre zeitliche Anordnung
werden Wahrscheinlichkeiten ihres Zusammentreffens definiert, die aber in
ihrer konkreten Realisierung sich bei jeder Aufführung anders ausformen. Die Instrumente sind in klaren klanglichen
Vorgaben gruppenweise komponiert: das Klavier hat sehr viele und häufig
dichte Klänge in den beiden getrennt komponierten Händen zu verwirklichen,
die Bläser lange sich wiederholende Einzeltöne, die Streicher kratzige col
legno Sounds unter voller Ausnutzung ihres Tonumfangs, die Perkussion Reibe-
und Kratzklänge, deren Auswahl dem Spieler obliegt. Somit sind die Tonhöhen
der Perkussionsstimme nicht bestimmt und treten, soweit sich definitive
Tonhöhen ergeben, zum komponierten Tonvorrat hinzu. Die Tonhöhen der anderen
Instrumente sind ebenso wie die Reihenfolge der Töne durch Zufallsoperationen
gewonnen und in den Noten exakt definiert. Eine weitere Ungewissheit für die
Qualität des Parameters Tonhöhe ergibt sich aus der Spielanweisung „legno“ für
alle Streicher. Ob nur das Holz des Bogens zur Klangerzeugung genutzt werden
soll oder ob das Holz mit dem Haar des Bogens kombiniert werden darf, bleibt
offen. Die Spielweise völlig ohne Haare führt zu einem sehr viel brüchigeren
und in der Höhe instabilen Ton, der den Reibeklängen der Perkussion verwandt
bisweilen starken Ereignischarakter gewinnt. In der vorliegenden Aufnahme
wurde die Entscheidung über die Ausführung des col legno den Spielern
überlassen. Wann jeder Spieler im jeweilig gegebenen Zeitfenster
spielt, ist seine Entscheidung, von den Spielern wird keine Interaktion
erwartet. 15 similar events definiert Klang als Ereigniskette von hintereinander
eintretenden und teilweise gleichzeitig klingenden Tönen. In 15 Zeitfenstern
von jeweils 2´24´´ Dauer erzeugen Streichtrio, Flöte und Klavier jeweils
einen Klang, den sie einer gegebenen instrumentenspezifischen Liste
entnehmen. Von den jeweils 5 Klängen der Liste soll im Verlauf des Stückes
einer 5x, einer 4x, einer 3x, einer 2x und einer 1x verwendet werden. Ein Spieler beginnt im ersten Zeitfenster,
die anderen Spieler fügen sich in das bereits begonnene Klangereignis ein.
Jeder Spieler muss spielen, es darf keine Pause zwischen den Einzelklängen
einer Periode entstehen. Wenn in der ersten Minute einer Periode kein Spieler
beginnt, wird in dieser Periode nicht gespielt und kein Spieler (außer der
Klarinette) darf spielen. Jeder Spieler endet, wenn sein Klang (keine
Zirkularatmung, kein Bogenwechsel) vorbei ist. Vor Beginn des nächsten Ereignisses im
nächsten Zeitfenster) soll eine Pause sein. Die Klangwelt der
Harmonieinstrumente ist homogen und geräuschhaft luftig, das Klavier steht
(wie in seven) harmonisch integriert mit seinem historischen Klang als
Fremdkörper da. Die Instrumente stehen in Abhängigkeit voneinander, sie
reagieren auf eine sehr distanzierte Art aufeinander. Die Klarinette spielt ihre mikrotonalen
rhythmisch gleichmäßigen Melodien alle vier Minuten. Das Schlagzeug folgt mit
seinen verlangsamten Elementarrhythmen einem separaten Zeitplan, der in
variierender Relation zum Zeitfenster der anderen Spieler steht. Harmonie, Rhythmus und Melodie als 3
Ereignisschichten, die nichts miteinander gemein haben, als dass sie zum
gleichen Zeit am gleichen Ort stattfinden und sich zu einer Schallwelle
verbunden an unserem Ohr einfinden. Vielleicht ist gerade die Möglichkeit von
Musik, nichts zu bedeuten, ihre besondere Qualität? Vielleicht vermag es die
Begegnung mit solcher Kunst uns mit der Kontingenz des Lebens und Sterbens in
dieser Welt zu versöhnen? Vielleicht sind gerade die Kontingenz und
die daraus resultierende Bedeutungslosigkeit jene Dimension der Welt mit der
wir uns liebevoll abfinden müssen? Burkhard Schlothauer |
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